Die richtige Rangordnung beim Siberian Husky

Nordic Fire

Im Zusammenleben eines Wolfsrudels ist es sinnvoll und notwendig, ernsthafte Kämpfe mit daraus folgenden Verletzungen einzelner Rudelmitglieder zu vermeiden. Gesundheit und Einsatzfähigkeit jedes einzelnen Wolfes ist für eine erfolgreiche Jagd und ausreichende Nahrungsversorgung des gesamten Rudels von Bedeutung. Verletzungen einzelner Tiere mindern die Überlebenschance des kompletten Rudels. Eine feste Rangordnung verhindert ernsthafte Kämpfe. Die Tiere verständigen sich durch Mimik und Körpersprache und bestätigen so die bestehende Hierarchie. An die Regeln hält sich jeder, und jeder kann sich darauf verlassen. Ernsthafte Streitigkeiten treten allenfalls zwischen Tieren mit geringem Rangunterschied auf. Die Welpen werden in diese Gemeinschaft hineingeboren und lernen frühzeitig Spielregeln, Körpersprache und ihren Rang aus dem Verhalten der anderen Mitglieder im Wolfsrudel. 

Wie lernt der Hund seinen Rang?:
Im Gegensatz zu jungen Wölfen werden die meisten Hundewelpen nicht in ein Rudel hineingeboren, sondern in eine Familie bestehend aus Mutter und Geschwistern. Meist besteht auch der Kontakt mit der Familie des Züchters. Schon in frühster Jugend geht es dann in eine andere Menschenfamilie. Über die Rangordnung herrschen zu diesem Zeitpunkt keine Zweifel: Die Mutter ist ranghöher, und natürlich alle Menschen in der neuen Umgebung. Im Laufe der nächsten Wochen lernt der Welpe dann aus dem Verhalten dieser Menschen, sozusagen der Rudelmitglieder, seinen eigenen Rang. 

Kennzeichen für einen hohen Rang:
Die Kennzeichen für einen hohen Rang sind in einem Rudel ähnlich wie in einer Menschengruppe. Wer einen hohen Rang hat, darf mehr. Der Ranghöchste darf alles. Er kann seinen Schlafplatz wählen und belegt meist den besten. Er hat jederzeit freien Zugang zu der verfügbaren Nahrung und frisst zuerst. Er hat Zugang zu allem, wann immer er will. Ein rangniedrigeres Rudelmitglied hat / darf dass alles nicht. Er muss den Platz räumen, Spielsachen oder Futter dem ranghöheren Tier überlassen, wenn dieses das wünscht, und darf erst dann ans Fressen, wen es dem Ranghöheren recht ist. Die Entscheidung liegt beim Ranghöheren. Der kann allerdings auch entscheiden, dass sein Hunger gestillt ist, und daher den Rest Futter dem anderen überlassen. Im Verhältnis von Mensch und Hund ist es in keiner Weise fraglich, wer der Dominante sein sollte. 

Der Mensch hat jederzeit Zugang zu allem, seien es Spielsachen, Schmuseeinheiten oder Futter. Er macht Kühlschrank oder Dosen auf. Er beschließt, wann man spazieren geht. Dennoch gibt es häufig Probleme auf diesem Gebiet, wenn Hunde erwachsen sind. Die Ursache dafür ist offensichtlich: Der Mensch gestattet dem Hund jederzeit freien Zugang zu allen Annehmlichkeiten des Lebens. So gewinnen Hunde den Eindruck, sie seien ranghoch. 

Die Rangordnung klarstellen:
Für einen Hund sollte von Anfang an nicht der geringste Zweifel über seinen eigenen Rang bekommen. Nehmen Sie also die oben erwähnten Rechte des Ranghöheren eindeutig in Anspruch. Zeigen Sie Ihrem Husky, dass Sie alles kontrollieren. Von Ihnen hängt es ab, ob es Fressen gibt, gespielt wird und welche Richtung beim Spaziergang eingeschlagen wird. Auch bequem neben Ihnen liegen oder Schmusen unterliegt Ihrer Entscheidung. Überlassen Sie diese nicht Ihrem Hund. Gleichgültig, wie niedlich er ist, manchmal müssen Sie sich rar machen. Brechen Sie ein Spiel ab, bevor er aufhört. Hören Sie mit Schmusen auf, bevor er das tut usw. Ihr Hund soll wahrnehmen dass Sie über alles verfügen. Er bekommt erst was, wenn Sie das gestatten und wen er zuvor etwas getan hat. 

Wenn Sie frei für den Hund verfügbar sind, vermittelt ihm das Informationen, die ihn verwirren und zu Schwierigkeiten führen können. Eine klare Rangordnung macht die Situation für einen Hund eindeutig und erleichtert ihm, den eigenen Platz im Rudel zu finden. Dadurch sind später kaum Dominanzprobleme zu erwarten. Streitigkeiten auf diesem Gebiet entstehen erst, wenn der Rangunterschied nicht deutlich und groß genug ist. Zu Ihrem höheren Rang gehört auch, dass Ihr Husky sich von Ihnen jederzeit und überall am ganzen Körper anfassen lassen muss. Das ist im übrigen für die normale Körper- und Fellpflege unerlässlich. Sie müssen jede einzelne Kralle, die Zehenzwischenräume, die Ohren und jeden Zahn ohne Gegenwehr anschauen dürfen. 

Am leichtesten lernt das ein junger Husky, wenn das alles auch für ihn wünschenswert ist. Es wäre gut, wenn er es liebt, angefasst zu werden. Gehen Sie also sanft vor, und machen sie das Ganze für ihn zum Vergnügen. Sorgen Sie am besten am Anfang dafür, dass er Hunger hat. Futterbelohnung versüßt das Stillhalten und sorgt für Duldsamkeit ;-) Geben Sie ihm, während Sie an ihm herumzupfen und alles kontrollieren, immer wieder einen Bissen zu essen. So haben Sie zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Ihr Husky möchte etwas von Ihnen, nämlich Futter. Er bekommt es erst, wenn er alles anschauen lässt. Sie haben die Kontrolle, und er lernt: was immer Sie tun, ist angenehm. Je vergnüglicher Sie die Sache gestalten, desto lieber macht er mit. Alles muss regelmäßig und häufig geübt werden. Tun Sie das auch, wenn Ihr Husky tägliche Fellpflege nicht nötig hätte. Sie müssen nicht immer gleich den ganzen Hund bearbeiten, aber Sie sollten jeden Tag ein wenig machen. Von allein lassen sich Hunde solche Dinge nicht gefallen, deswegen muss man Sie daran gewöhnen. Es gibt unzählige Huskies die ihren Besitzern das Leben schwer machen, weil das nie mit Ihnen geübt wurde. 

Die Beisshemmung:
Wie schon erwähnt, werden im Wolfsrudel Auseinandersetzungen mit Verletzungsgefahr weitgehend ausgeschlossen, indem sich die einzelnen Gruppenmitglieder sehr deutlich über Körperhaltung und Mimik verständigen und so die Rangordnung laufend bestätigen. Um auch beim Spielen Verletzungen zu vermeiden, müssen Wölfe die Kraft und die Gefährlichkeit ihres Gebisses einschätzen und kontrollieren können. 

Früher dachte man dass die so genannte Beisshemmung angeboren sei, die dafür sorgt, dass nicht fest zugebissen wird, wenn man es mit Familienmitgliedern zu tun hat. Heute wissen wir, dass dieses Verhalten erlernt werden muss, bevor der Zahnwechsel vollzogen ist. Sobald junge Wölfe aktiv werden, balgen sie mit ihren Geschwistern herum und fangen an, ihre Mutter und andere erwachsene Tiere zu belästigen und an Schwänzen und Ohren zu ziehen. Zu Beginn dulden diese das dann auch, aber wenn die Welpen etwas größer werden, werden sie deutlich in ihre Schranken gewiesen, wenn sie zu grob sind. Auch die Geschwister brechen ein spiel unter Wehgeschrei ab, wenn einer zu fest zukneift. Das Ende des Spiels liegt natürlich nicht in der Absicht des Grobians, also geht er das nächstemal vorsichtiger mit seinen Zähnen um. 

Auch Hundewelpen müssen erst lernen, mit ihren Zähnen vorsichtig umzugehen. Bei einem Welpen der ab der 6.Woche (normal 10-12. Woche) in einer Menschenfamilie lebt, müssen Menschen diesen noch nicht abgeschlossenen Lernprozess weiterführen, damit der kleine Welpe eine Beisshemmung entwickeln kann. Sobald also Ihr Welpe im Spiel seine Zähne einsetzt, sollten Sie rasch und eindeutig reagieren: Schreien Sie laut und hoch auf, unterbrechen Sie SOFORT das Spiel. Wenden Sie sich ab und ignorieren Sie ihn für kurze Zeit. Das zeigt ihm dass Sie an groben Spielen kein Interesse haben. 

Schreien Sie jedes Mal laut auf, ob er nun Ihre Haut oder ein Kleidungsstück erwischt wo Sie nichts spüren. Er muss lernen, mit Menschen IMMER vorsichtig zu sein. Er darf nicht die Botschaft bekommen: Haut: Zähne dürfen nicht ran, Jackenärmel - da darf man fester zubeißen. Vielleicht sind ja doch mal unter dem Stoff an der Stelle, wo er gerade seine Zähne fester einsetzt, und das könnte unangenehm für Sie werden. Ziehen Sie bei dieser Übung Ihre Hand nicht weg, da das zum Nachschnappen reizt. Erst nach einem kurzen Augenblick darf wieder weitergespielt werden - die Aufforderung dazu muss aber von Ihnen kommen. Wenn Sie und all Ihre Familienmitglieder so vorgehen, wird der Welpe seine Zähne immer vorsichtiger einsetzen und schließlich ganz damit aufhören. 

So lernt der Welpe:

  • Zähne setzt man ihm Spiel nicht ein
  • Beißen ist nicht geeignet, um Zuwendung zu erlangen.
  • Rangordnung klarstellen
  • Füttern Sie ihn erst, wenn Sie mit dem Essen fertig sind.
  • Kämmen und Bürsten sie ihn täglich, auch wenn es nicht unbedingt erforderlich ist.
  • Lassen Sie ihn nicht beim Spielen beißen.
  • Beenden Sie Spiele, bevor er es tut.
  • Lassen Sie ihn, bevor etwas Schönes passiert, eine kleine Gegenleistung erbringen.
  • Ändern Sie beim Spazieren gehen häufig überraschend die Richtung.
  • Seien Sie nicht frei für Ihren Husky verfügbar.


Die Bindung:
Ein Hund kann später nur das ausführen und befolgen, was man ihm vorher beigebracht hat. Die Vorraussetzungen für ein erfolgreiches Lernen sind Bindung und Aufmerksamkeit. Eindeutige Signale und erwünschte Belohnungen führen schnell zum Erfolg. Zu Beginn haben Welpen eine sehr enge Bindung an die Mutter. Als Schutz, Wärme- und Nahrungsquelle ist sie äußerst wichtig. Mit zunehmendem Alter steigt die Selbstständigkeit des Welpen. Sie werden unabhängiger und lösen sich langsam von der Mutter. Diese enge Bindung überträgt der Welpe zunächst auf den Züchter. später auf den oder die Menschen, zu denen er kommt. Auch dies ist ein wichtiger Grund, den Welpen nicht erst mit 10. oder 12. Wochen zu sich zu holen, sondern wirklich mit 8.Wochen. 

Solange Ihr Husky noch sehr jung ist, klebt er daher wahrscheinlich an Ihnen wie eine Klette. Es ist fast lästig und kaum vorstellbar, dass sich das jemals ändern könnte. Aber je älter er wird, desto lockerer wird die Bindung. Spätestens in der Pubertät kommt dann der Tag, an dem Ihr Husky Sie draußen ignoriert, weil es für ihn Wichtigeres gibt. Wenn Sie Ihren Husky jedoch erfolgreich etwas lehren wollen, ist es unerlässlich, das er auf Sie achtet. Sie können ihm nur dann etwas beibringen, wenn er aufmerksam ist und auf Sie hört. Deswegen sollten Sie der Loslösung des Hundes, die mit dem Erwachsenwerden verbunden ist, entgegenwirken. Sie können die Bindung verstärken, indem Sie Ihren Husky häufig aus der Hand füttern , anstatt ihm einfach sein Futter im Napf hinzustellen.

  • Die Bindung an Sie wird verstärkt.
  • Ihre Hand wird als positiv registriert.
  • Ihr Husky vertraut Ihren Handbewegungen
  • Er lernt auf Handbewegungen zu achten.
  • Es wird ihm vor Augen geführt, dass Sie über das Futter verfügen, also ranghöher sind.


Der günstigste Zeitpunkt, eine eigene Bindung zu formen, ist in diesem Alter. Später wird es sehr viel schwieriger oder gar unmöglich. Er muss jetzt lernen, dass alles in seinem Leben von Ihnen abhängig ist. Das heißt. Nichts passiert ohne Ihre Zustimmung, ohne Sie ist nichts möglich, ganz besonders nichts Vergnügliches. Überlassen Sie Ihren Husky daher beim Spazieren gehen nie zu lange sich selbst. Während er nämlich alle Düfte dieser Welt einsaugt und alleine seinen Spaß hat, lernt er, dass das wirkliche Leben ohne Sie stattfindet. Er beginnt sich draußen sein Vergnügen allein zu suchen und entfernt sich innerlich immer weiter von Ihnen. Sorgen Sie dafür, Dass Sie an allem, was Ihr Husky bei Spaziergängen unternimmt, irgendwie beteiligt sind.

Spielen Sie mit ihm und machen Sie unterwegs häufig kleine Übungen. Lassen Sie ihn möglichst wenig allein und ungestört unternehmen. Er soll dabei merken, dass alles was er mit Ihnen und auf Ihre Aufforderung hin tut, für ihn selbst Vorteile hat. Geben Sie ihm gute Gründe, etwas für Sie zu tun. Lassen Sie sich gute und begehrenswerte Belohnungen einfallen. Das Wirksamste und damit das Beste ist, wenn er das tun oder haben darf, was er gerade am liebsten tun oder haben möchte. Aber vorher sollte er etwas für Sie tun, zum Beispiel einfach herkommen.

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