Die richtige Sozialisierung des Siberian Husky

Nordc Fire

Vieles, was für angeboren gehalten wurde, wie zum Beispiel die Beisshemmung, ist nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht angeboren, sondern muss schon frühzeitig erlernt werden. Dieser Lernprozess, die Sozialisierung, beginnt mit der 2. und dauert ungefähr bis zur 14. Lebenswoche. Untersuchungen über die Entwicklung des Verhaltens von Welpen haben gezeigt, dass ein junger Husky in diesem Alter besonders aufnahmefähig und beeindruckbar ist. Während der Sozialisierungsphase lernt ein Welpe, mit Menschen, anderen Hunden und allen Lebenslagen zurechtzukommen. 

Das betrifft unter anderem Spazieren gehen, Auto- und Straßenbahn fahren, ins Cafe gehen, sich bürsten lassen und nicht grob sein. Ihr Husky sollte in dieser Zeit unbedingt Kinder kennen- und lieben lernen. Dann lässt er sich später nicht so leicht von ihnen erschrecken und eventuell zum Schnappen reizen. Sogar der Umgang mit anderen Hunden muss gelernt werden - wie gesagt das alles ist NICHT angeboren. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass schon der Züchter die Welpen bestens sozialisiert und nicht abgeschieden oder gar nur im Zwinger aufwachsen lässt. Jeder Tag der in dieser Lebensphase versäumt wird ist später nicht mehr aufzuholen! Die ersten 14. Lebenswochen sind daher für das ganze weitere Leben entscheidend. Sie sind ausschlaggebend dafür, ob ein erwachsener Husky zuverlässig und kinderfreundlich ist, ob er Menschen mag und sich mit anderen Hunden verträgt, ob er in allen Lebenslagen selbstsicher und entspannt bleibt und nirgends unangenehm auffällt. Kurz gesagt, es entscheidet sich in diesem Zeitraum, ob Ihr Husky ein freundliches, zuberlässliches und geliebtes Familienmitglied wird.

Ein guter Züchter gibt seine Welpen ab der 8. Lebenswoche ab und hat schon große Vorarbeit bezüglich Sozialisierung geleistet. Nun sind sie an der Reihe, es ist wissenschaftlich erwiesen dass es wenig Sinn macht den Welpen bis zur 12. Woche beim Züchter zu belassen, da wertvolle Zeit verschenkt wird, die sinnvoll für eine gute Bindung und vor allem für das frei Laufen ohne Leine und prägen auf den Halter - nicht auf den Züchter, dass wäre wenig hilfreich - genutzt werden sollte. 

Die richtige Sozialisierung:
Je länger es dem Zufall überlassen bleibt, was ein Husky in diesem Zeitraum lernt, und je später es systematisch in Angriff genommen wird, desto ungewisser sind die Aussichten. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen stellen Versäumnisse in diesem Alter eine positive Entwicklung ernsthaft in Frage. Das tragische daran ist, dass dies nicht sofort, sondern erst Monate später augenfällig wird und kaum rückgängig gemacht werden kann. Mangelnde oder schlechte Sozialisierung zeigt sich häufig nicht vor der eintretenden Geschlechtsreife. Der Husky wird danach weniger kontrollierbar, manchmal auch nervös und ängstlich. Sie erscheinen unberechenbar, und ihre Unausgeglichenheit führt zu unangepasstem Verhalten oder gar zu Aggressivität. So wird der Husky lästig und hinderlich, und schließlich landet er leider oft im Tierheim. Und schon wird das Märchen der Husky sei unerziehbar weiter genährt. In Wahrheit ist jedoch zu 90% nur mangelende Sozialisierung beim Züchter Schuld an der Misere. Die Auswahl des Züchters ist daher besonders wichtig, schauen Sie sich unsere Checkliste an und nehmen Sie diese zum Züchter Ihrer Wahl mit. Gerne stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. 

Die gute Kinderstube:
Während Sie an all die einzelnen Facetten denken und daran arbeiten müssen, und Ihr Husky lernt, wie es in Ihrem Haushalt zugeht und wie die Hausordnung ausschaut, vollzieht sich gleichzeitig nebenher, mehr oder weniger unbemerkt, die Sozialisierung. Der jetzige Verlauf einzelner Ereignisse hat Einfluss auf sein Verhalten, wenn er einmal erwachsen ist. Auch wir Menschen empfinden unbekannte Situationen zunächst als beunruhigend. Je vertrauter eine Situation ist, desto selbstverständlicher können wir damit umgehen. Dasselbe gilt auch für unseren Husky. Je nachdem wo er seine ersten Lebenswochen verbracht hat, sind ihm womöglich noch nie Männer, Frauen oder Kinder begegnet. Vielleicht hat er noch nie einen Zug oder eine Straßenbahn gesehen. Oder noch nie eine Treppe ausprobiert. Was er jetzt nicht kennen lernt wird ihn ein ganzes Leben beunruhigen. Um das zu vermeiden, muss er alles kennen lernen und sich mit der jeweiligen Situation anfreunden. Nur so kann er erkennen, dass kein Grund zur Angst besteht. 

Die Umwelt kennenlernen:
Überlegen Sie einmal womit ihr junger Husky noch Bekanntschaft schließen muss. Das ergibt wahrscheinlich eine beachtliche Liste. Lärm, Hupen, Verkehrsmittel, Treppen und Aufzug, also einfach das Stadtleben im Allgemeinen gehören dazu, vielleicht außerdem noch andere Menschen, vor allem Kinder, Haustiere, Wildtiere, Bauernhoftiere und andere Hunde und Hunderassen. Wenn Sie ihn später überall oder fast überallhin mitnehmen wollen und das auch noch Spaß machen soll, muss er an all das jetzt vorsichtig gewöhnt werden. Nur dann kann er später damit richtig umgehen.Bieten Sie alles erst einmal in kleinen Dosen an. Kleine Straßen, kleine Kreuzungen, kurze Straßen-, Auto-, und U-Bahnfahrten sind besser verträglich für den kleinen Kerl. Wählen Sie nicht den Tag an dem Sie in der Stadt eine Menge zu erledigen haben, sondern machen Sie in Ruhe echte Übungsfahrten und Übungsgänge, wenn Sie selbst entspannt sind. Gestresst, unter Druck oder zu lange üben schadet eher. In kleinen, kurzen Übungen in allen nur denkbaren Situationen soll der junge Husky positive Erfahrungen sammeln. Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck, und Schreck, Angst oder gar Schmerz sind nicht förderlich. 

Besser ist natürlich er hat all dies schon beim Züchter kennen gelernt. Achten sie daher darauf dass ihr Züchter bestens sozialisiert, auch wenn der Hund dadurch vielleicht etwas teurer ist. Dieser kleine Zwerg hat von Anfang an den besten Start in sein Leben und das sollte ihnen ein treuer Partner und geliebtes Familienmitglied schon wert sein.

Der Tierarzt:
Der erste Besuch beim Tierarzt ist ausschlaggebend für alle weiteren Besuche. So kann der Verlauf des ersten Tierarztbesuches die nachfolgenden zu einem Vergnügen für Ihren Husky zu machen - oder zu einem Alptraum, der mit jedem weiterem Besuch schlimmer wird. Sie selbst haben darauf großen Einfluss. Falls Sie selbst Angst davor haben - das gibt es häufiger als Sie vielleicht denken - so versuchen Sie das Ihren Welpen nicht merken zu lassen. Es gibt im Grunde zunächst auch gar nichts zu fürchten. Warten Sie bitte nicht erst, bis etwas in Unordnung zu sein scheint. Machen Sie Ihren ersten Tierarztbesuch so früh wie möglich nach dem Kauf Ihres Welpen. 

Die übliche Welpenuntersuchung und die Routineimpfung sind keine schmerzhafte Angelegenheit. Bringen Sie einen hungrigen kleinen Hund und etwas zu Knabbern mit, und erinnern Sie sich an das System positive Verstärkung: Belohnen Sie Ihren Welpen, wenn er sich auf dem Behandlungstisch richtig benimmt und ruhig und gelassen bleibt. Wenn Sie aufgeregtes und ängstliches Verhalten nicht durch Belohnung im falschen Moment verstärken, steht einer erfolgreichen Beziehung zwischen Ihrem Hund und Tierarzt nicht das Geringste im Weg. Die meisten Tierärzte haben selbst Interesse an guten Beziehungen zu "ihren Hunden" und daher etwas zum Verwöhnen da. Lassen Sie den Kleinen mit anderen Hunden im Wartezimmer jetzt noch keinen Kontakt aufnehmen. Manche sind da, weil sie krank sind. Es könnte Ansteckungsgefahr bestehen!

Andere Hunde:
Wie bei der Beisshemmung hat man lange Zeit angenommen, dass Hunde Angeborenerweise wüssten, wie sie mit anderen Hunden umzugehen haben. Tatsache ist jedoch, dass es erlernt werden muss. Ähnlich wie eine Sprache müssen die sozialen Fähigkeiten, die ein Welpe schon im Umgang mit der Mutter und Geschwistern erworben hat, regelmäßig angewendet werden. Hunde, die jünger als 6 Monate sind und denen dazu keine Gelegenheit gegeben wird, verlieren ihre Fähigkeiten wieder. Aus diesem Grund müssen Sie also für regelmäßigen und häufigen Kontakt Ihres Hundes mit anderen Hunden sorgen. Sie sind jetzt auf dem Weg in eine gefährliche Falle in der Erziehung zu tappen. Es ist fast unvermeidlich und ergibt sich ganz von selbst: Wahrscheinlich werden Sie auch mit verträumten, strahlenden Augen dastehen und zuschauen, wie reizend ihr Kleiner mit anderen Hunden spielt und dabei eine Menge Spaß hat. Diese Erfahrung bringt eine katastrophale Konsequenz. Er hat Spaß ohne Sie! Wenn Sie nicht ganz durchdacht und zielstrebig mit dieser Situation umgehen, haben Sie gar keine Wahl; Sie sind in jedem Fall der Spielverderber. Indem Sie Ihren Husky rufen, beenden Sie eines der größten Vergnügen, die es im Hundeleben gibt. Ihrer Aufforderung "Komm" zu folgen, bringt Ihrem Husky nichts als Nachteile: Das Spiel mit den Artgenossen ist zu Ende, er kommt an die Leine und geht heim. Der Spaß ist somit vorbei! 

Vergessen Sie nicht: "Komm" und der Name sollten nur in angenehmen Zusammenhang verwendet werden! Also rufen Sie ihn aus dem Spiel heraus belohen Sie ihn und schicken ihn dann wieder zum Spielen. Die Belohnung sollte aus Lob, Streicheln und evtl. aus einem Hundeleckerli bestehen. Die allerbeste Belohnung besteht darin, dass Ihr Husky die Erlaubnis bekommt, wieder spielen zu gehen. In jedem längeren Spiel ist er geistig so weit weg, dass er Sie einfach nicht mehr wahrnimmt. Rufen Sie ihn daher rechtzeitig und häufig zu sich! 

Das Heranrufen aus dem Spiel:

  • Versuchen Sie, die Aufmerksamkeit Ihres Hundes zu erhalten.
  • Rufen Sie nicht mehrmals, sondern immer nur einmal.
  • Rufen Sie nur, wenn Sie die volle Aufmerksamkeit Ihres Hundes haben.
  • Rufen Sie auch diese Aufforderung nur einmal.
  • Wenn keine Reaktion erfolgt, sollten Sie zu Hause Aufmerksamkeitsübungen machen.


Wenn Ihr Hund jetzt bei Ihnen ist, haben Sie beide eine großartige Leistung vollbracht. Lassen Sie Ihren Hund sitzen, falls er das schon kann, fassen Sie ihn an seinem Halsband, loben und belohnen Sie ihn und schicken Sie ihn wieder zum spielen. Klopfen Sie sich auf die Schulter, aber denken Sie immer daran: Gutes Benehmen bleibt nur gut, wenn man etwas dafür tut. Wenn man nichts tut, wird es unweigerlich schlechter werden! 

Der Menschenkontakt:
Während Sie bei der Sozialisierung mit Hunden auf den Erfahrungen aufbauen, die der kleine Husky schon mit Mutter und Geschwistern gemacht hat, ist es ohne weiteres möglich, dass er außer einer einzigen Person noch nie andere Menschen gesehen hat. Auch diese Wissenslücke kann nur schwer wieder gefüllt werden. Der Husky sollte während der Sozialisierungsphase möglichst viele verschiedene Menschen, Erwachsene und Kinder, in ebenso vielen verschiedenen Situationen kennen lernen. Je häufiger er etwas gesehen hat, desto normaler wird es für ihn. Er kann unbefangener und entspannter damit umgehen und hat keinen Grund, Angst zu haben. 

Der Erwachsene:
Wieder heißt es: üben und in kleinen Dosen anfangen. Die Betonung liegt auf dem Kennen lernen unter angenehmen Umständen. Nur so verbindet er angenehme Erfahrungen und Gefühle mit allen möglichen Menschen. Für viele Hunde sind Männer und Kinder angsterregender und beunruhigender als Frauen. Versuchen Sie, Ihre Freunde dafür zu gewinnen, Ihnen bei diesem Training zur Hand zu gehen. Am einfachsten geht es mittels Futter. Also bitten Sie alle erdenklichen Freunde mit der Hand zu füttern und in anzufassen. Einzelne Punkte im Bereich der Sozialisierung konkurrieren mit der Erziehung, Futter nicht ohne Erlaubnis zu nehmen, aber hier hat die Sozialisierung absoluten Vorrang. Befehle sind auch später noch erlernbar, aber die Sozialisierung ist dann schon lange beendet. 

Hochspringen sollte allerdings gleich von Anfang an vermieden werden, das ist einfach und die Sache wert. Egal, wie zauberhaft und unwiderstehlich Ihr Welpe jetzt ist, es gibt kaum jemanden, der es cool findet, wenn ihm später ein 30 Kilo Hund vor Begeisterung um den Hals fällt. 

Die Kinder:
Schenken Sie dem Verhältnis von Kind und Husky gesteigerte Aufmerksamkeit, insbesondere wenn Sie selbst kleine Kinder haben und vor allem wenn Sie später Kinder planen. So mancher Husky verlor bei der Geburt eines Babys seinen Platz, weil diesem Umstand zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Kinder sind nicht berechenbar, und wenn Ihr Husky vor Kindern keine Angst hat, sondern sie liebt, beugen Sie damit einer ganzen Reihe von unangenehmen Zwischenfällen vor. Leihen Sie sich, wenn möglich, Kinder von Freunden oder Nachbarn. Um weder Kind noch Hund zu überfordern, sollte ein Welpe am Anfang nur ein Kind kennen lernen, und bitte nur unter Aufsicht. Nur dann können Sie sicherstellen, dass die Erfahrungen für beide positiv verlaufen.

Das erste Mittel der Wahl ist auch hier - wie so oft - das Futter! Ein hungriger Husky ist nun einmal sehr leicht davon zu überzeugen, dass Hände mit Futter eine gute Sache sind. Sie dürfen sich schnell bewegen, er hat Sie dennoch gerne und vertraut ihnen. Da er keine Angst davor hat, gibt es auch keinen Grund, danach zu schnappen. Lassen Sie also Kinder, die das schon können, den Welpen aus der Hand füttern und die, die dazu zu schüchtern sind, den Futternapf halten. Wenn Sie dafür sorgen, dass besonders vergnügliche Sachen vor allem in Anwesenheit von Kindern passieren, verheißt die Anwesenheit von Kindern an sich Gutes. Am besten ist es wiederum natürlich wenn der Welpe all dies bereits beim Züchter kennengelernt hat. 

Andere Haustiere:
Auch das Verhältnis Ihres Huskies zu anderen Heimtieren können Sie über positive Verstärkung gut lenken. Belohnen Sie auch hier erwünschtes und ignorieren Sie unerwünschtes Verhalten. So können keine negativen Verknüpfungen entstehen, und Sie verstärken auch nicht unbeabsichtigt unerwünschtes Verhalten. Belohnen Sie also zum Beispiel Ihren Welpen, wenn er die kleine Katze nicht achtet, sondern links liegen lässt. Bedenken Sie jedoch im Zusammenhang mit Kaninchen und anderen jagdbaren Tieren, dass der Jagdtrieb unterschiedlich ausgeprägt sein kann. 

Wie mit Kindern, ist es empfehlenswert, nicht allzu großes Vertrauen in das perfekte Benehmen aller Beteiligten zu setzen. Bleiben Sie lieber dabei. Selbst wenn alles vorbildlich aussieht, ist das keine Garantie dafür, dass es auch so bleibt. Zudem können sie positives Verhalten nur dann rechtzeitig belohnen, wenn Sie anwesend sind und es auch tatsächlich sehen.

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